2:10:51 - wir ham Grund zum feiern! (?)

2:10:51 - wir ham Grund zum feiern! (?)

2:10:51 im Marathon-Debüt, Grant Fisher lernt die Straße kennen & Hallen-WM-Preview

TL;DR: Fotyen Tesfay läuft in Barcelona die zweitschnellste Frauen-Marathonzeit aller Zeiten – und löst eine Doping-Debatte aus. Grant Fisher enttäuscht beim NYC-Half-Debüt, Klosterhalfen meldet sich zurück. Dazu: Hallen-WM-Preview mit vier deutschen Startern und ein Blick auf die DM Halbmarathon in Frankfurt.

Barcelona: Tesfay schreibt Geschichte – und wir stehen daneben

2:10:51. Im Debüt. Die zweitschnellste Marathonzeit, die jemals von einer Frau gelaufen wurde. Fotyen Tesfay aus Äthiopien hat beim Barcelona-Marathon etwas abgeliefert, das eigentlich eine riesige Party verdient hätte. Die 28-Jährige kam als drittschnellste Halbmarathonläuferin der Geschichte nach Spanien und hat diese Klasse über die doppelte Distanz mehr als bestätigt.

Und trotzdem: Die Stimmung in der Szene ist gespalten. Der Elefant im Raum heißt Ruth Chepngetich. Die Kenianerin, einzige Frau mit einer schnelleren Marathonzeit (2:09:56 in Chicago 2024), wurde im Oktober 2025 wegen Dopings gesperrt. Und genau das hat bei vielen Fans – uns eingeschlossen – etwas verändert. Wir wollen diese Leistung feiern. Aber es fällt schwer, wenn die letzte Frau, die auf diesem Level gelaufen ist, des Betrugs überführt wurde.

Unsere Einordnung: Tesfays Profil ist deutlich konsistenter als das vieler überführter Athletinnen. Platz 7 bei den Olympischen Spielen in Paris über 10.000 Meter, Platz 8 bei der WM in Tokio, Halbmarathon-Zeiten von 1:03:21 und 1:03:35. Da passt eine 2:10 im Marathon durchaus ins Bild. Trotzdem – und das sagen wir ganz offen – bleibt ein ungutes Gefühl. Nicht wegen Tesfay persönlich, sondern weil der Sport in den letzten Jahren zu oft enttäuscht hat.

Key Takeaway: Äthiopien bleibt von der Athletics Integrity Unit als „Kategorie A"-Land eingestuft – also ein Land mit systematischen Doping-Problemen. Das heißt nicht, dass Tesfay unsauber ist. Aber es erklärt, warum die Diskussion geführt wird.

NYC Half: Fisher scheitert, Wildschutt überrascht, Obiri dominiert

Für Grant Fisher sollte der NYC Half die große Premiere auf der Straße werden. Der Indoor-Weltrekordhalter über 3000 und 5000 Meter lief bis Meile 10 im Leadpack mit – und ging dann ein. Deutlich. Seine 1:00:53 als 14. sind objektiv kein Desaster, aber für einen Mann mit einer 26:33 über 10.000 Meter klar unter den Erwartungen. Seine eigenen übrigens auch.

Das Rennen gewonnen hat stattdessen Adriaan Wildschutt aus Südafrika mit 59:30 – ein Mann, den Fisher auf der Bahn normalerweise kontrolliert. Das zeigt mal wieder: Straßenlauf ist eine eigene Disziplin. Max zieht in der Folge den Vergleich zu Mo Farah, der auf der Straße auch nie das abliefern konnte, was er auf der Bahn gezeigt hat.

Bei den Frauen hat Hellen Obiri mit einem Streckenrekord von 1:06:33 einmal mehr gezeigt, warum New York quasi ihr Wohnzimmer ist. Spannend: Megan Keith aus Großbritannien lief als Dritte 1:07:13 – im Halbmarathon-Debüt. Die europäische Langstrecken-Konkurrenz schläft nicht.

Klosterhalfen & Welday: Deutsche Standortbestimmungen

Konstanze Klosterhalfen hat in New York ihren ersten Start seit September 2025 absolviert. 1:10:04 auf Platz 11 – weit weg von ihrer Bestzeit (65:41), aber als Saisonauftakt in der Basisvorbereitung okay. Max und Felix sind sich einig: Das muss man Step by Step sehen, nicht an Prime-Coco messen. Ziel ist die Bahn im Sommer, vermutlich 5000 und 10.000 Meter bei der EM in Birmingham.

Haftom Welday hat in Barcelona mit 2:08:13 seine Bestzeit verbessert und sich auf Platz 7 der ewigen deutschen Marathonbestenliste geschoben. Mal wieder war er vorne aggressiv unterwegs (Halbmarathon in 62:25) und hat hinten raus Zeit verloren. Max' Take: Mit klügerem Pacing wäre eine 2:07 niedrig drin – und damit die Kadernorm.

Hallen-WM Toruń: Vier Deutsche, eine echte Finalchance

Vom 20. bis 22. März steht die Hallen-WM in Toruń (Polen) an. Vier deutsche Läufer:innen sind dabei:

800m Männer: Alexander Stepanov (Platz 22 der Meldeliste) und Malik Skupin-Alfa (Platz 26). Felix traut Stepanov ein Finale zu – das wäre ein riesiger Erfolg. Max ist realistisch: Halbfinale für beide, Finale wäre die Kirsche obendrauf. Das Feld ist mit Crestan, Bol und Co. hochkarätig besetzt.

1500m Männer: Robert Farken als WM-Sechster (Outdoor) ist Deutschlands heißester Kandidat auf eine Top-8-Platzierung. Das Feld ist nicht übermäßig stark besetzt, die Chance da – aber nach dem Aussteiger bei den Deutschen und der unbekannten Form bleibt ein Fragezeichen.

1500m Frauen: Nele Weßel auf Platz 19 der Meldeliste. Finale wäre eine Überraschung, aber bei der WM in Tokio hat sie gezeigt, dass Überraschungen möglich sind. Realistisches Ziel: Guter Vorlauf, vielleicht PB-Richtung.

Max' Must-Watch-Tipp: Die 3000m der Männer. Direktes Finale mit Josh Kerr, Cole Hocker, Yann Schrub (7:29 , 10km Europarekord), George Beamish und den starken Afrikanern. Bei den Frauen: 800m mit Keely Hodgkinson und Audrey Werro.

DM Halbmarathon Frankfurt: Pfeiffer jagt den Titel, Ringer ist Favorit

Am Sonntag steht parallel die DM Halbmarathon in Frankfurt an. Bei den Frauen erwartet Max ein Duell zwischen Esther Pfeiffer (Titelverteidigerin) und Domenika Mayer. Bei den Männern ist Richard Ringer, frisch aus dem Kenia-Trainingslager, haushoher Favorit – vorausgesetzt Hendrik Pfeiffer verzichtet zugunsten von Berlin eine Woche später. Ehrlich gesagt: Der Termin eine Woche vor dem Berlin-Halbmarathon ist unglücklich, das Feld entsprechend dünner als bei der 10-km-DM.

Kurz notiert

Tobias Tent: Bronze bei der Studenten-Cross-WM mit der deutschen Staffel (zusammen mit Felix Wittmann, Alina Reh-Budde und Caro Hinrichs). Jetzt im Trainingslager in Südafrika bei den Running Gags.

Paul Specht: 10. Platz im NCAA-Finale nach mutiger Renngestaltung. Grandiose Hallensaison mit 3:52-Meile. Die Outdoor-Saison wird spannend.

Fabienne Königstein: Wechsel von Asics zu Puma. Max findet's gut, wenn deutsche Läufer:innen bei deutschen Marken sind.

Doping-Randnotiz: Bei den NCAA College Nationals wurde die 200m-Siegerin nachträglich als gesperrt gemeldet – ohne vorherige öffentliche Kommunikation der Sperre. Die AIU steht erneut in der Kritik.

🎧 Die ganze Folge hören:
Alle Einordnungen, Max' Hallen-WM-Prognosen und Felix' Barfuß-Story aus Bamberg gibt's in der neuen Folge Auslaufen – überall wo's Podcasts gibt.

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